Heidi

Jänner: Freiraum in Sicht!

Nach 6 Wintern kann ich endlich wieder ein paar Stunden alleine verbringen, während mein Mann mit den Buben Skifahren geht. Und dann war da noch die erste große Städtereise nach Wien. Auf den Stephansdom mussten wir zweimal rauf, weil den Jungs die Pummerin so gefallen hat. Und die Besuche in den Museen hat auch großen Spaß gemacht.

Februar: Die Familien-Freizeit entwickelt sich

In diesem Monat habe ich jede freie Minute der Familien-Freizeit gewidmet, für den neuen Familien-Freizeit-Guide und das Familien-Kultur-Festival. Der Garnmarkt war eine super Kulisse, auch wenn der Fönsturm unsere Pläne für den zweiten Tag durcheinandergewirbelt hat.

März: Barcelona und Lockdown

Ein Rhetorikseminar führt mich nach Barcelona. Diese Stadt war der Hammer. Und wenige Stunden vor dem Rückflug war ich noch in der Gaudi Kirche, der Sagrada Familia. Wenige Tage später hat Spanien den Notstand ausgerufen und auch in Österreich wurden die Freiheiten eingeschränkt. Für mich als Moderatorin hieß das, eine Vollbremsung, von 100 auf 0, innerhalb weniger Stunden. Autsch.

Zeit für Traurigkeit blieb keine, dafür war zu viel zu Hause zu tun. In den ersten Tagen haben wir viel gespielt, gebastelt und gemeinsam gekocht, sehr viel gekocht.

Als Familie und Ehepaar erleben wir eine total ungewohnte Situation. Wir sind jeden Abend beisammen…. läuft erstaunlich gut.

April: Gartenarbeit

Aus unseren 2 Hochbeeten haben wir über 50 (!) Engerlinge herausgesiebt. Bähhh, sind das eklige Tiere. Die Buben haben sich Erbsen, Karotten und Zucchini gewünscht. Das einzige Gemüse, das sie gerne essen. Thomas und ich haben Netflix für uns entdeckt. Gemeinsam Fernsehen schauen ist neu für uns … läuft erstaunlich gut.

Mai: Spielplatz-Check

Bevor ich total durchdrehe, mache ich aus der Not eine Tugend und besuche mit den Kindern verschiedene Spielplätze im Land. Im Mai war das ja wieder erlaubt – Halleluja.

Den Kindern hat es großen Spaß gemacht und die Stimmung von uns allen hat sich schlagartig verbessert. Florian entwickelt sich zu einem tollen Co-Moderator. Der Alltag wird langsam wieder leichter.

Juni: positiver Stress

Im Juni starten wir die Aktion „Familien-Freizeit Spielplatz-Check“. Jeden Tag haben wir ein Video veröffentlicht. Am Anfang hatte ich 10 Tage „Vorsprung“. Bis zum Schluss was es dann doch noch ein ziemlicher Stress, den Plan einzuhalten. Die gesamte Groß-Familie hat mitgewirkt, echt cool.

Juli: Überraschungserfolg

Die Medien berichten über den Spielplatz-Check, regional und später auch national. Auf Facebook haben wir insgesamt 20.000 Video-Aufrufe. Cool.

Das lückenhafte Kindergartenjahr geht zu Ende, ohne großes Abschlussfest. Florian wird diese Erfahrung kaum in Erinnerung behalten. Irgendwie schade. Dafür haben wir viele Wanderungen unternommen. Und wir sind nach Jesolo und Vendig gefahren. Das war ein einzigartiger Urlaub.

August: Vorfreude

Ich gestehe, im August war ich fix davon überzeugt, dass alles vorbei ist. Wir haben uns auf den Start in Kindergarten und Schule vorbereitet. Beide Kinder am Vormittag zur gleichen Zeit versorgt – meine Sehnsucht nach Freiraum hat wieder Luft bekommen.

September: Pläne schmieden

Unser Familienplaner kam pünktlich und ist großartig geworden. Ein Freudentag.

Noch mehr Freude hat der geglückte Start in das Schuljahr bereitet. Wir waren alle sehr aufgeregt und sind glücklich wieder Heim gekommen. Florian hat das mit Schultüte allerdings falsch verstanden. Am 2. Schultag hat er gefragt, wo seine Schultüte für diesen Tag sei ;O)

Oktober: Normal – was war das nochmal?

Anfang Oktober lief meine Welt für wenige Tage so, wie ich es geplant hatte:

Oma holt die Buben von Kindi und Schule ab. Ich halte Seminare und komme am Abend müde und zufrieden heim. Wir sind sogar wieder mal ins Kasperltheater und Museum gegangen – ganz normal, halt mit Maske, aber das ist ja schon normal.

November: Nebel

Meine Stimmung ist getrübt. Wir haben eine phantastische Volkschullehrerin, wirklich. Meinen Ärger und Frust kann ich dennoch kaum zügeln. Zuhause arbeiten und gleichzeitig die Kinder unterrichten bzw. betreuen – nach so einem Jahr – sorry, ich kann nicht mehr. Die Vorbereitung für den „Advent im Schaufenster“ haben meine Stimmung hochgehalten. Auch wenn es viele Arbeitsstunden in der Nacht bedeutet hat, bin ich immer zufrieden eingeschlafen. Klingt paradox, ich weiß.

Dezember: Spannung pur

Die Buben schreiben am 01. Dezember ihren Brief an das Christkind und planen von diesem Moment an, wie sie mit ihren gewünschten Spielsachen spielen. Meine Güte sind die nervös. Gefeiert wird am 24.12. dank Massentest wie immer. Alle Familienmitglieder lassen sich testen und wir sitzen als Großfamilie gemeinsam am Tisch. Wenigstens Weihnachten können wir feiern wie immer. Danke!

Zusammenfassung:

  • Ich würde meinen Mann wieder heiraten. Dass wir beide gut zusammenpassen war mir immer klar. In diesem Jahr ist die Verbindung noch stärker gewachsen.
  • Die Sache mit dem Abstand und der Maske ist gar nicht so schlecht. Bei meinen wirklichen Freunden fehlt es mir, dass ich sie nicht einfach umarmen kann. Gleichzeitig bin ich froh, dass ich bei einigen anderen endlich auf Distanz gehen kann, ohne einen Konflikt zu riskieren.
  • Obwohl ich weniger Termine hatte, bin ich total erschöpft und müde. Ich kenne den Begriff „bored out“ schon lange. Jetzt weiß ich aus eigener Erfahrung, wie elend das ist. 2021 geht es hoffentlich wieder mehr um meine Ideen und Pläne.

Nina

Was vielversprechend begonnen hat, wurde ordentlich über den Haufen geworfen und kurioserweise fällt am Ende dennoch das Resümee auch in diesem Jahr nicht anders aus, als die Jahre zuvor.

Da gibt es natürlich die anstrengende Seite: Ich wollte bewusst nie Lehrerin werden, jetzt wurde ich, ohne gefragt zu werden, in diese Rolle katapultiert. Eine Mischung aus Chaos, Frust, Verzweiflung und Wut. Ein Kapitel dieses Jahres, das ich gerne auslassen möchte.

Vieles war in diesem Jahr zudem unsicher: Was die Krankheit für die Gesundheit bedeutet, schlittern wir in private oder finanzielle Turbulenzen, wie wirkt sich das alles auf die Kinder bzw. die Gesellschaft generell aus, wer soll den Trümmerberg abtragen, den wir gerade anhäufen und nicht zuletzt, wie geht es auch beruflich weiter. Die Planungsunsicherheit bremst den Enthusiasmus, hemmt die Kreativität, schmälert den Ehrgeiz, zehrt an den Nerven und entspricht leider so gar nicht meinem Naturell.

So viel Wut und Unverständnis wie in diesem Jahr habe ich noch nie verspürt: Wut über die teilweise Planlosigkeit bei den Entscheidungsträgern, das Gießkannenprinzip, die mediale Hofberichterstattung, das träge Beamtensystem in Österreich und vor allem darüber, dass wir an dem „Problem“ an sich leider nichts ändern können. Ein leichtes Gefühl der Ohnmacht taucht immer wieder auf.

Gesorgt habe ich mich in diesem Jahr eigentlich auch oft: Darüber wie es weiter geht, wie sich die Gesellschaft entwickelt, wie viel ein Sozialstaat ertragen kann, wie gerecht alles verteilt ist und ob meine Kinder immer noch glücklich sind? Wie werden sie diese Zeit in Erinnerung behalten? Für ein 9-jähriges Kind ist 1 Lebensjahr – noch dazu ein prägendes – schließlich im Vergleich zur bisherigen Lebenszeit doch nicht unerheblich.

Und dann waren da noch die vielen Diskussionen, Gespräche und oft auch Streitereien, weil so viele Meinungen aufeinanderprasseln, sich Menschen von Seiten gezeigt haben – positiv aber auch negativ – die ich so nie hinter ihnen vermutet habe und weil jeder privat und auch beruflich vor andere Herausforderungen gestellt wurde.

Meine Gefühle sind oft Achterbahn gefahren: Einerseits war ich oft einsam, mir fehlen Kulturveranstaltungen, Kino, Freizeitaktivitäten, Partys und vor allem die vielen zufälligen Gespräche und Treffen, der Input von außen, andere Meinungen und Themen, Projektideen und auch spontane Begegnungen. Mir fehlt die Nähe zu den Menschen, die Herzlichkeit und das persönliche Wahrnehmen und Treffen von Freunden und Bekannten. Dem gegenüber steht das Gefühl von „zu viel an Nähe“, denn noch nie war ich von außen gezwungen, so viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Wie sehr schätze ich nun wieder die wenigen Stunden, die ich für mich alleine habe. Wenn endlich einmal niemand „Mama“ ruft, mir nicht ständig jemand am Rockzipfel hängt, mir über die Schulter schaut oder jeden meiner Handgriffe verfolgt. Alleine im Bad sein, in Ruhe telefonieren, schweigen dürfen – das kommt mir oft weit weg vor!

Aber dieses Jahr war auch das Jahr, in dem ich ganz viel bewusst gemacht habe: Sei es Zeit mit den Kindern bzw. der Familie zu verbringen, mir bewusst zu machen in welch goldenem Zeitalter und Umfeld ich leben darf, ich versuche noch bewusster zu leben – sei es beim Einkaufen, Kochen, Sport, aber auch im Hinblick darauf darüber nachzudenken, was ich denn wirklich brauche. Mein Konsumverhalten hat sich genauso verändert, wie mein tägliches Leben.

Dieses Jahr war für mich in erster Linie anders, anders schlecht und anders gut. Was aber gleich bleibt ist, dass die schönen Dinge des Lebens überwiegen. Und dass man nie aufhören darf, daran zu glauben, dass es immer wieder aufwärts geht: Denn nächstes Jahr wird alles anders!

Hinfallen – Aufstehen – Krone richten – Weitergehen – in diesem Sinne wünsche ich euch von Herzen einen guten Rutsch in ein glückliches Jahr 2021!


Helga

Eigentlich fing das Jahr an wie jedes andere. Auf der Suche nach Möglichkeiten der Kinderbetreuung zu Mittag und am Nachmittag im ländlichen Raum. Schiurlaub in den Semesterferien, organisatorische Abwicklungen durch die geteilte Karenz, Vorfreude auf den Sommerurlaub…

Und dann kam Corona….

Seit März begleitet mich die Demut.

Mit dem ersten Lockdown wurde uns gezeigt, in welch schönem Land wir wohnen. Wie intensiv die Zeit mit der Familie ist, wenn andauernd alle zu Hause sind. Wie wichtig der Kontakt und Austausch über den Zaun zu den Nachbarn ist, wenn man ansonsten eigentlich niemanden sieht.

Wertschätzung entwickelte ich auch gegenüber unserer Kindergartenpädagog*innen, die Online sowie Offline immer bemüht um die Förderung und Bespaßung unserer Kinder waren. Und dies in meinen Augen hervorragend erledigt haben.

Gefolgt von der Achtung unserer Arbeitgeber*innen gegenüber, die für die Mitarbeiter*innen gekämpft haben und Arbeitsplätze gesichert sowie Verständnis für die individuelle und persönliche Situation hatten.

Respekt gegenüber all jenen Unternehmer*innen, die bei den Hilfefonds durch die Finger schauen und nicht ausschließlich jammern, sondern für das Unternehmen und die Mitarbeiter*innen kämpfen.

Nichts Schlechtes ohne Gutes:

Kinder und Jugendliche sind traurig, wenn Schulen geschlossen sehen – so erfahren (hoffentlich) Lehrer*innen, Pädagog*innen und die Schule an sich von den Schüler*innen einen anderen Stellenwert in ihrem Leben.

Ich vermisse meine Großfamilie – ich wuchs in engem Kontakt mit meinen Tanten und Onkeln auf – dieses Jahr haben wir uns sehr wenig gesehen. Ich vermisse sie. Hoffentlich können wir uns alle bald wieder treffen.

Ich bin wahnsinnig gerne zu Hause. Meine Familie füllt mich sehr aus, tatsächlich vermisste ich das Ausgehen, die Wirtshausbesuche und Veranstaltungen gar nicht so sehr, wie ich es anfänglich vermutet hätte.

Das politische Interesse unserer Gesellschaft scheint wieder geweckt. Auch wenn die aktuellen Demonstrationen meine Meinung nicht vertreten, so nutzen zahlreiche Menschen dieses Instrument der Demokratie, stehen auf und gehen auf die Straße. Hoffentlich sehen wir das auch bald bei den kommenden Wahlen, dass die Wahlbeteiligung wieder ansteigt. Denn was meiner Meinung nach gar nicht geht – sich über die Regierung aufregen, wenn man das eigene Wahlrecht nicht genutzt hat.

Ich bin dankbar, in einem politisch sicheren (sich nicht perfekten, aber was ist schon perfekt) Land zu leben, meine Meinung sagen zu dürfen, eingebettet in eine wunderschöne Landschaft und umgeben von der Familie und Freunden leben zu dürfen. Wir werden diese Situation gemeinsam überstehen, wenn wir uns gegenseitig akzeptieren und respektieren, egal welche Meinung und Partei wir zugetan sind.

Alles Liebe und Gute für das Jahr 2021, es bleibt spannend, was dieses für uns alle bringen mag!